Eine Anleitung zur Potenzialentfaltung
Jeder Mensch hat Stärken – und Schwächen. Doch sind „Schwächen“ wirklich so negativ, wie sie oft erscheinen?
In der Persönlichkeitsentwicklung und im Coaching zeigt sich immer wieder: Viele vermeintliche Schwächen sind Schutzstrategien, die uns in bestimmten Situationen dienen – und gleichzeitig Potenzial für Wachstum in sich tragen.
In diesem Artikel erfährst du, wie du durch einen Perspektivwechsel deine Schwächen besser verstehst, ihre Ursachen erkennst und sie Schritt für Schritt in Stärken verwandelst.
In 9 Schritten zur Persönlichkeitsentfaltung
- Notiere dir deine drei größten Schwächen.
- Löse die negative Bewertung aus dieser Qualität und erkenne, dass dieses Verhalten, was du bisher als Schwäche bezeichnet hast, ein Verhalten ist, dass sich in anderen Situationen als Stärke entfalten kann.
- Nimm wahr, welche Blockade die Stärke hinter der vermeintlichen Schwäche überlagert.
- Versuche die Schutzstrategie dahinter zu erkennen.
- Finde den Trigger, der diese Schutzstrategie bei dir auslöst.
- Notiere den Glaubenssatz, der diese Strategie mit einem „Etikett“ versieht.
- Transformiere den Glaubenssatz.
- Unterstütze den Wandel, in dem du im Alltag neu handelst.
- Feiere die Veränderung, die du in deinem Leben wahrnimmst.
Übung Potenzialentfaltung Teil 1
Stärken und Schwächen neu verstehen
Ich lade dich zu einer Übung ein.
Schreibe dir die aus deiner Sicht größten Schwächen auf. Notiere: „Ich glaube, meine größten Schwächen sind ….“
Und jetzt legst du eine weitere Liste an und notierst dir deine größten drei Stärken.
Fällt dir etwas auf? Findest du Parallelen oder entdeckst du gerade, dass die von dir notierten Eigenschaften nur zwei verschiedene Seiten der gleichen Medaille sind?
Schwächen sind nicht absolut. Sie sind vielmehr Verhaltensweisen, die in manchen Situationen nützlich, in anderen hinderlich sind.
Beispiel: Perspektivwechsel Schwächen
Charlotte möchte lernen, fokussierter zu arbeiten. Ihre Kollegen bemängeln, dass sie zu viele Themen gleichzeitig bearbeitet.
Tatsächlich hat Charlotte eine ausgeprägte Fähigkeit zur breiten Wahrnehmung. Sie erkennt schnell Stimmungen, Teamdynamiken und parallele Themen. Das hilft ihr, den Überblick zu behalten. Doch wenn es darum geht, konzentriert ein Projekt zu Ende zu führen, lässt sie sich leicht ablenken.
Fazit: Charlottes vermeintliche Schwäche ist im Kern eine Stärke. In dieser Situation wird sie jedoch von einer Blockade überlagert, die es ihr erschwert, den Fokus zu halten.
Frage an dich: In welchen Situationen ist dir das Verhalten deiner vermeintlichen Schwächen dienlich?
Das Muster hinter den Blockaden
Die meisten Blockaden, die wir in unserem Leben bewusst oder unbewusst errichtet haben und die unser Potenzial an der Entfaltung hindern, haben etwas mit Schutz zu tun. Daher ist es hilfreich, die Schutzstrategien hinter den Schwächen zu erkennen und zu verstehen, bevor wir sie in einen Wandel bringen.
Beispiel: Schutzstrategien erkennen und verstehen
Charlotte zum Beispiel spürt ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit. Ihre Angst, etwas zu übersehen, hat dazu geführt, dass sie ihren Fokus ständig nach außen richtet. Ihr Verhalten schützt sie davor, Fehler oder unkalkulierbare Risiken zu übersehen. Allerdings behindert es sie darin, den Fokus zu halten.
Frage an dich: Wovor möchte dich dein Verhalten, dass du als Schwäche bezeichnest, schützen?
Triggerpunkte identifizieren
Um Schutzmechanismen zu verändern, musst du die Auslöser kennen. Diese können bei jedem Menschen unterschiedlich sein. Manchmal ist es das Verhalten eines anderen Menschen, manchmal ist es eine bestimmte Situation oder manchmal triggern uns Worte oder Gedanken.
Beispiel: Triggerpunkte erkennen
Charlotte merkt: Sie verliert den Fokus vor allem dann, wenn Anforderungen und Ansprechpartner ständig wechseln – ein normaler Teil ihres Projektgeschäfts. In solchen Situationen geht ihr System in Alarmbereitschaft.
Frage an dich: Welche äußeren Situationen lösen deine Schutzmechanismus aus?
Glaubenssätze erkennen
Die meisten unserer Schutzstrategien haben ihre Ursache in der Schwangerschaft – also in der Zeit vor unserer Geburt – der Geburt oder der frühkindlichen Entwicklung bis zu einem Altern von ca. 7 Jahren. Manche der Schutzstrategien haben wir auch von unseren Vorfahren, wie z.B. unseren Eltern übernommen.
Die Titel dieser Schutzstrategien sind sogenannte Glaubenssätze.
Beispiel: Glaubenssätze identifizieren
Charlotte erinnert sich: Als Kind wurde sie häufig herumgereicht. Manche Menschen gaben ihr Geborgenheit, andere nicht. Um vorbereitet zu sein, lernte sie, ihre Aufmerksamkeit nach außen zu richten.
Daraus entstand ihr Glaubenssatz:
„Ich bin nur sicher, wenn ich alles im Blick behalte.“
Alle Glaubenssätze limitieren unsere Potenzialentfaltung. Daher spiegelt uns das Leben diese verbunden mit der Einladung, sie zu transformieren.
Frage an dich: Welcher Glaubenssatz „etikettiert“ deine Schutzstrategie?
Übung Potenzialentfaltung Teil 2
Schwächen in Stärken transformieren – Potenziale entfalten
In dem Moment, in dem du erkennst, dass bestimmte Glaubenssätze dich in deiner Entwicklung behindern, ist der erste Schritt zur Transformation gemacht.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Glaubenssätze zu wandeln. Ich stelle dir nachfolgend einen Weg vor, der vielen meiner Coachees bei der Transformation von Glaubenssätzen und Persönlichkeitsmustern hilft. Du kannst dieses Vorgehen nutzen oder den für dich stimmigen Weg finden.
Übung: Das Fotoalbum
- Stelle dir vor, du hältst ein leeres Fotoalbum in der Hand.
- Füge gedanklich die Situation, die dir spontan einfällt, wenn du an den Glaubenssatz denkst, als Polaroid in dieses Album ein. Spüre, ob noch weitere Situationen vor deinem inneren Auge erscheinen und klebe auch diese in Form weiterer Fotos in das Album ein.
- Wenn keine Bilder mehr erscheinen, schließe das Album und notiere auf dem Cover den Glaubenssatz.
- Dann stell dir vor, dass du in deinem Herzen einen Scheinwerfer mit einem sehr kraftvollen Licht hast und richte dieses Licht im Vertrauen des Wandels auf das Fotoalbum. Beobachte, wie es sich verändert oder auflöst.
- Glaube an deine Schöpferkraft.
- Unterstütze den Wandel, den du eingeleitet hast, durch neue Handlungen im Alltag.
So kannst du Schritt für Schritt alte Überzeugungen loslassen.
Neue Handlungen für deinen Alltag
Durch die Fotoalbum-Übung hast du das Energiefeld gewandelt, das deiner bisherigen Schutzstrategie und damit deiner „Schwäche“ zugrunde liegt. Damit du die Wandlung dieses Energiefeldes in deinem Leben spürst, ist es wichtig, anders als bisher zu handeln. Denn nur durch eine neue Handlung bzw. neues Verhalten, wird sich wirklich etwas ändern.
Beispiel: Durch neue Handlungen Wandel sichtbar machen
Charlottes neue Entscheidungen – Initialfunken für neues Verhalten:
- „Ich sage klar, wenn es zu viele Themen gleichzeitig sind.“
- „Ich plane bewusst Me-Time ein.“
- „Ich ziehe mich regelmäßig zurück, um Themen konzentriert zu durchdenken.“
Frage an dich: Welche neuen Handlungen kannst du entwickeln, um deine Schutzmechanismen im Sinne deiner Potenzialentfaltung abzulösen?
Wandlung wahrnehmen – mit Milde auf dich und die Veränderung schauen
Ich lade dich ein mit einem milden Blick wahrzunehmen, was sich durch das neue Verhalten in deinem Leben ändert. Und bitte: Verurteile dich nicht, wenn es nicht von Anfang an perfekt läuft. Im Gegenteil: halte den Fokus auf dem, was dir gelingt und feiere dich dafür. Denn deine Gedanken haben Kraft und wenn du den Fokus auf das lenkst, was dir nicht gelingt, wird dieses stärker. Schaffst du es aber anerkennend wahrzunehmen, was dir gelingt – sei es auch noch so winzig – wird dieses an Stärke gewinnen.
Fazit: Potenzialentfaltung ist ein Prozess
Schwächen und Stärken sind keine Gegensätze, sondern kontextabhängige Verhaltensweisen.
Indem du deine Schutzstrategien, Triggerpunkte und Glaubenssätze erkennst, kannst du sie wandeln – und so dein verborgenes Potenzial entfalten. Wichtig ist, dass du ja sagst – zu dir und dieser Reise – und nicht erwartest, dass von Tag 1 alles perfekt anders läuft.
Ich erfahre in meinem eigenen Potenzialentfaltungsprozess, dass auch die Dinge, die vermeintlich nicht perfekt laufen, wertvolle Hinweise auf das enthalten, was noch in uns schlummert und zum Leben erweckt werden möchte!
Viel Freude auf deinem Weg!